Allergie

Allergie: Falsche Abwehr

Tränende Augen, laufende Nase, juckende Haut oder Atemnot: Ihre allergischen Symptome kennen Sie selbst am besten. Aber welche Fehlpässe Ihres Immunsystems stecken dahinter? Erfahren Sie, warum Ihr Körper überreagiert, wie Ärzte Allergieauslöser aufspüren und wie Sie eine Hyposensibilisierung langfristig von Beschwerden befreien kann.

Was sind Allergien?

Falscher Alarm: Was sind überhaupt Allergien?

Wenn Sie einen guten Freund für einen Einbrecher halten und sich „wie blind“ mit voller Wucht gegen ihn verteidigen – ungefähr so können Sie sich eine allergische Reaktion Ihres Körpers vorstellen. Denn bei einer Allergie wehrt sich das Immunsystem im Übermaß gegen Umweltreize, die eigentlich für den Körper ungefährlich sind. Warum ein harmloser Fremdstoff (wie Birkenpollen) vom Immunsystem einiger Menschen als Bedrohung eingestuft wird, ist noch nicht vollständig erforscht. Wie sich eine Allergie im Folgenden entwickelt, aber schon.

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Zu viele Antikörper: Wie entsteht eine Allergie?

Kurz erklärt:

Der Begriff „Allergie“ setzt sich aus griechisch „allos“ = anders und „ergon“ = Tätigkeit zusammen. Erstmals wurde er im Jahr 1906 von einem Wiener Kinderarzt verwendet. Er sollte eine „andersartige Reaktion“ des Immunsystems beschreiben.

Was löst Allergien aus?

Allergene: Was löst Allergien aus?

Substanzen, die allergische Reaktionen in Gang setzen, heißen Allergene. Grundsätzlich kann jeder beliebige Stoff aus Natur, Haushalt oder beruflichem Umfeld für einen Menschen zum Allergen werden. Deshalb sind aufwendige Tests notwendig, um die Substanzen auszumachen, auf die ein Patient individuell reagiert. Wie werden Allergien diagnostiziert? Die Auslöser der häufigsten Allergien sind Eiweißmoleküle in der Natur.

Wussten Sie, dass ...
… es rund 20.000 verschiedene Allergieauslöser gibt? Und dass diejenigen, die sich über die Luft verbreiten – wie z.B. Bestandteile von Pollen, Hausstaubmilben und Tierhaaren –, nicht nur durch Einatmen, sondern auch über die Haut in den Körper eindringen?

Wir haben detailliertere Informationen zu den häufigsten Allergieauslösern für Sie zusammengefasst.
Inklusive Alltagstipps für weniger Beschwerden.

Wie entsteht eine Allergie?

Zu viele Antikörper: Wie entsteht eine Allergie?

Auch wenn die Symptome plötzlich auftreten können: Eine Allergie entsteht nicht über Nacht. Bei den häufigsten Allergien laufen zuvor folgende Schritte im Immunsystem ab:

1. Ein bestimmter Stoff aus der Umwelt (z.B. Birkenpollen oder Bestandteile von Hausstaubmilben) dringt zum ersten Mal über Atemwege, Darm oder Haut in den Körper ein. Das Immunsystem identifiziert ihn irrtümlich als Bedrohung.

2. Bereits beim ersten Kontakt bildet das Immunsystem übertrieben viele IgE-Antikörper, die genau zu diesem Fremdstoff passen. Mit den Antikörpern will es sich schon für die Zukunft gegen den Feind wappnen.

3. Die Antikörper binden sich an die Oberflächen spezieller Abwehrzellen, sogenannter Mastzellen. Dort warten sie wie im Bereitschaftsdienst auf den nächsten „Angriff“ dieses Gegners. In dieser ersten Phase spürt der Betroffene noch keine Symptome. Doch sein Körper ist nun für diese spezielle Substanz sensibilisiert: Ohne dass der Patient es bemerkt hat, ist sie für ihn zum Allergieauslöser geworden – zum Allergen.

4. Dringt das Allergen erneut in den Körper ein, führt das von nun an immer zu einer allergischen Reaktionskette.

5. Das Allergen bindet sich wie ein Puzzleteil an die passenden IgE-Antikörper auf den Mastzellen. Daraufhin schütten diese entzündungsfördernde Botenstoffe aus, um den vermeintlichen Eindringling abzuwehren (z.B. Histamin).

6. Je nach Allergen kann sich der innere Abwehrkampf nun in zahlreichen möglichen Symptomen zeigen: von Nies- und Juckreiz über Asthma und Hautekzem bis hin zu Magen-Darm-Problemen.

Was sind Allergie-Symptome?

Ernst nehmen: Was sind Allergie-Symptome?

Allergiesymptome zeigen sich je nach Auslöser und persönlicher Veranlagung in verschiedenen Körperbereichen und unterschiedlich stark. Nase, Augen, Bronchien, Lunge, Haut oder Magen-Darm-Trakt sind einzeln oder in Kombination betroffen. Tückisch ist, dass die Beschwerden häufig den Symptomen anderer Krankheiten ähneln, etwa denen von Erkältungsinfektionen. Deshalb ist es so wichtig, dass Betroffene erste Anzeichen ernst nehmen und frühestmöglich einen Allergologen aufsuchen. Er klärt ab, ob tatsächlich eine Allergie hinter den Beschwerden steckt, welcher Stoff sie auslöst und welche Therapie in Frage kommt.

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Kurz erklärt: der Allergologe

In Deutschland ist Allergologie kein eigenständiges medizinisches Fachgebiet. Ärzte, die als Allergologen arbeiten wollen, müssen eine Zusatzqualifikation erwerben. Meist sind das Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Hautärzte (Dermatologen) und Lungenfachärzte (Pneumologen), weil sich in diesen Körperregionen die Symptome zeigen. Auch Allgemeinmediziner und Kinderärzte haben oft diese Zusatzqualifikation.

Wie werden Allergien diagnostiziert?

Pricktest & Co.: Wie werden Allergien diagnostiziert?

Knäuelgras, Mucor-Schimmelpilz, Hunde- oder Katzenhaar oder die Hausstaubmilbe Dermatophagoides farinae: Das sind nur vier von rund 20.000 allergieauslösenden Substanzen. Um herauszufinden, welche davon die Beschwerden eines Patienten verursachen, muss ein Allergologe Spürsinn beweisen. Oft sind mehrere Tests notwendig. Erfahren Sie hier, wie verschiedene Haut- und Blutuntersuchungen ablaufen. Und warum ein Allergietagebuch ein wichtiger Baustein der allergologischen Detektivarbeit ist.

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Der erste Schritt: Die Krankengeschichte

Wenn sich ein Arzt auf die Suche nach dem Allergieauslöser macht, ist der erste Schritt die sogenannte Anamnese. So nennen Mediziner das ausführliche Gespräch über die Krankengeschichte des Patienten. Der Arzt fragt detailliert, unter welchen Umständen aktuelle und frühere Beschwerden aufgetreten sind. Außerdem sind Haut- und Atemwegserkrankungen in der Familie wichtig. Je besser sich der Betroffene auf dieses Gespräch vorbereitet, desto klarer kann der Allergologe die folgenden Tests eingrenzen. Für diese Vorbereitung ist ein Allergietagebuch sehr hilfreich. Darin können Sie Ihre Symptome, deren Stärke, Zeiträume und eventuell besondere Orts- oder Wetterbedingungen übersichtlich notieren.

Rötung, Schwellung, Juckreiz? Die drei Hauttests

Nach dem Gespräch mit dem Patienten plant der Allergologe Hauttests mit verschiedenen Auslösern, die er in Betracht zieht. Dies sind keine Selbsttests, der Arzt führt sie in seiner Praxis durch. Starke Nebenwirkungen sind dabei selten. Sollte es dennoch zu unerwartet heftigen allergischen Reaktionen kommen, sind immer Experten für die optimale medizinische Betreuung vor Ort.

Alle Hauttests auf einen Blick

Antikörper vorhanden? Die Blutuntersuchung

Hauttest-Ergebnisse sind nicht immer eindeutig. Zusätzliche Bluttests liefern weitere Hinweise, um den Allergieauslöser aufzuspüren. Dabei wird eine Blutprobe des Patienten auf spezifische IgE-Antikörper untersucht. Das sind diejenigen Antikörper, die das Immunsystem beim Erstkontakt mit einem Allergen gebildet hat. Die spezifischen Antikörper sind seitdem dauerhaft im Blut vorhanden. Sie passen wie Schloss und Schlüssel zu der Molekülstruktur des Allergens, das sie bekämpfen sollen. Wie entsteht eine Allergie? Sind beispielsweise IgE-Antikörper gegen Erlenpollen im Blut nachweisbar, sind also mit großer Wahrscheinlichkeit auch Erlenpollen der Auslöser der Allergie. Rückschlüsse auf die Stärke der Symptome lässt der Bluttest allerdings nicht zu.

Direkt an Nase, Augen, Lunge: Der Provokationstest

Nach Haut- und Bluttests ist manchmal noch ein Provokationstest nötig. Damit lässt sich ein Allergieauslöser noch klarer bestätigen oder ausschließen. Der Arzt reizt – oder provoziert – betroffene Organe direkt mit einem Allergen. Er sprüht es in die Nase, tropft es in die Augen, sprüht es zum Einatmen in die Lunge oder verabreicht es oral, sodass es in den Verdauungstrakt gelangt. Bei allen Varianten steigert der Arzt langsam die Dosis und beobachtet die Reaktionen. Da beim Provokationstest in seltenen Fällen auch starke Symptome wie Asthmaanfälle oder Kreislaufkollaps auftreten können, ist der Patient nie allein im Raum und der Arzt hat immer Notfallmedikamente parat.

Wie kann man Allergien behandeln?

Akut und langfristig: Wie kann man Allergien behandeln?

Der erste wichtige Schritt gegen die Beschwerden ist die Bestimmung des Auslösers. Danach gibt es für den Patienten unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten, je nach Schweregrad und Art der Allergie. 

Die wichtigsten Bausteine einer Allergietherapie sind:

  • die Allergene vermeiden (Allergenkarenz)
  • die Symptome lindern (symptomatische Therapie)
  • die Ursachen behandeln (kausale Therapie wie Hyposensibilisierung bzw. spezifische Immuntherapie).

Häufig kombinieren Allergologen diese drei Ansätze. Erfahren Sie hier mehr zu allen drei Bausteinen. Und warum nur die Ursachenbehandlung Allergien langfristig lindern und vor weiteren schützen kann.

Schätzungsweise 20 – 30 % der deutschen Bevölkerung sind Allergiker, das entspricht 16 bis 24 Millionen Menschen. Deshalb gelten Allergien als Volkskrankheit.

Bild Foto Milbenkulturen, gezüchtet von LETI Pharma zur Erstellung von Seren zur Spezifischen Immuntherapie

Wussten Sie, dass ...
... Milbenkulturen ohne Mikroskop aussehen wie Sand? Im spanischen Tres Cantos betreibt LETI eine der größten Milbenzuchten der Welt. In Laboren werden verschiedene Milbenarten gezielt gezüchtet. Sie dienen als Grundstoff für die spezifische Immuntherapie – also für die Ursachenbehandlung einer Milbenallergie.

Bleib mir vom Leib: Die Auslöser vermeiden

Bei manchen Allergien können Betroffene den Kontakt mit den Auslösern vollständig umgehen. Das ist zum Beispiel bei Nahrungsmitteln oder Tieren der Fall. Dieses Vermeiden nennen Mediziner Allergenkarenz (lateinisch für Entbehrung, Verzicht).

Pollen-, Milben- oder Schimmelpilzallergiker hingegen können ihren Peinigern nicht vollständig aus dem Weg gehen, denn die verbreiten sich über die Luft. Diese Patienten können nie ganz vermeiden, dass die Allergieauslöser beim Einatmen oder durch die Haut in ihren Körper eindringen. Die Betroffenen können lediglich ihre Alltagsgewohnheiten so anpassen, dass so wenige Allergene wie möglich auf ihr Immunsystem treffen. Das heißt: Kontakt minimieren! Dabei helfen viele praktische Alltagstipps, die wir für Sie zum Weiterlesen zusammengestellt haben. Zudem können Sie Ihren Arzt nach Patientenschulungen speziell für Ihre Allergie fragen.

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Sogenannte Encasings sind eine große Hilfe, um den Kontakt mit Milben im Schlafzimmer zu minimieren: milbendichte Bezüge für Kopfkissen, Bettdecken und Matratzen.

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Kurzfristig durchatmen: Die Symptome lindern

Verschiedene Medikamente können Allergiker von akuten Beschwerden befreien. Sie geben ihre Wirkstoffe entweder direkt am betroffenen Organ frei, beispielsweise über Nasenspray, Augentropfen und Inhalationsspray. Oder sie gelangen in flüssiger Form oder als Tabletten in den Blutkreislauf.

Zu den wichtigsten Wirkstoffgruppen gehören Antihistaminika und Kortikosteroide.
Diese sogenannte symptomatische Therapie hilft kurzfristig. Die Allergieursache geht sie aber nicht an. Sobald Allergiker die Medikamente absetzen, können ihre Beschwerden wieder auftreten.

Warum kann Hautpflege dazu beitragen, Allergiesymptome zu lindern?

Bei Menschen mit einer genetischen Veranlagung für Neurodermitis, Heuschnupfen oder allergisches Asthma ist oft auch die natürliche Hautbarriere defekt. Man spricht dann von atopischer Haut. Die Schutzfunktion der Hautbarriere gegen Umweltreize und allergieauslösende Stoffe ist geschwächt. Medizinische Hautpflege stärkt diese natürliche Schutzmauer wieder. Medizinische Hautpflege kann dazu beitragen, dass weniger Allergieauslöser aus der Umwelt in die Haut eindringen und hier weniger allergische Reaktionen auftreten. Die Forschung geht aktuell der Frage nach, ob die Anwendung medizinischer Hautpflege in frühen Lebensjahren sogar das Risiko reduziert, später eine Allergie zu entwickeln.

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