Atopie

Atopie – die Veranlagung zu Allergien

Wussten Sie, dass hinter den häufigsten Allergien eine Atopie steht? Und was das Wort eigentlich beudetet? Kaum ein Allergiker kennt diesen Begriff, dabei ist Atopie die eigentliche Basis seiner Erkrankung. Erfahren Sie, wie Atopie, Neurodermitis, Heuschnupfen und Asthma miteinander verwoben sind. Warum Allergieerkrankungen nie isoliert betrachtet und behandelt werden sollten. Und was Sie tun können, um eine Allergikerlaufbahn zu verhindern.

Foto von Atopiker und Mehrfach-Allergiker Leon in der Natur

„Hätte ich etwas tun können, damit ich nicht so viele allergische Erkrankungen entwickle?“

„Schon als Baby hatte ich Neurodermitis. Später kamen Nahrungsmittelallergien, Heuschnupfen und Asthma dazu. Seit meiner Kindheit begleitet mich dieses riesige Krankheitsbündel, für mich ist das fast schon normal. Aber ich wünsche mir oft einen unbeschwerteren Alltag – beim Lernen für die Uni, als Hobbykoch und im Sommer am See mit meinen Freunden.“

Atopiker und Mehrfach-Allergiker Leon, Student, 21 Jahre

Leon ist ein Lehrbuchbeispiel für einen Patienten mit Atopie, bei dem sich eine sehr umfangreiche Allergiker-Laufbahn entwickelt hat. Zu einer ersten atopischen Erkrankung kamen nach und nach immer mehr hinzu. Und Leon stellt sich die typischen Fragen eines Mehrfach-Allergikers: Hängen unterschiedliche Allergien medizinisch zusammen? Und: Ist eine Allergiker-Laufbahn „Schicksal“ oder lässt sie sich aufhalten?

Manche Atopiepatienten belastet bisher nur eine einzelne atopische Erkrankung, zum Beispiel nur Neurodermitis oder Heuschnupfen. Doch auch sie sollten wissen, dass sie das Risiko für weitere schon in sich tragen – und wie sie es eindämmen können.

Was ist Atopie?

Nie gehört: Was ist überhaupt Atopie?

Der Fachbegriff Atopie bezeichnet eine angeborene Neigung des Körpers, auf den Kontakt mit bestimmten Umweltreizen, die eigentlich für den Körper ungefährlich sind, allergisch zu reagieren. Atopie ist also keine Krankheit, sondern eine Veranlagung, mit der das Risiko für meist allergische Erkrankungen im gesamten Körper steigt. Konkrete allergische Symptome zeigen sich erst, wenn diese vererbte Veranlagung und Umwelteinflüsse zusammentreffen. Dann feuert das Immunsystem mit Antikörpern (sogenannten IgE-Antikörpern) gegen eigentlich harmlose Substanzen.
 

So zeigt sich Atopie

Menschen mit Atopie können im Laufe ihres Lebens eine oder auch mehrere Erkrankungen aus dem sogenannten atopischen Formenkreis entwickeln: Zu diesem zählen neben Neurodermitis (Fachbegriffe: atopische Dermatitis oder atopisches Ekzem) auch Heuschnupfen (allergische Rhinitis), allergisches Asthma und Nahrungsmittelallergien. Diese Krankheiten betreffen also ganz unterschiedliche Organe: Haut, Darm und die Atemwege. 

Die atopischen Erkrankungen können bei Betroffenen einzeln, nacheinander oder auch gleichzeitig auftreten. Entscheidend ist, dass man diese Krankheitsbilder nie isoliert betrachtet, da sie so eng und komplex miteinander verwoben sind. Neurodermitis, Nahrungsmittelallergien, Heuschnupfen und allergisches Asthma sollten daher immer ganzheitlich behandelt werden.

Kurz erklärt: Atopie

Das Wort Atopie kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Ortlosigkeit“.

aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland leiden an einer der drei atopischen Erkrankungen Neurodermitis, Heuschnupfen oder allergisches Asthma.

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Warum werden aus einer Allergie oft mehrere?

Wie kann ich eine Allergie verhindern?

Atopie und Allergie

Grafik zeigt den Ablauf einer atopischen Erkrankung.Person mit atopischer Veranlagung leidet oft unter allergischen Krankheitsbildern.

1. Veranlagung

Viele Menschen tragen eine von ihren Eltern vererbte Veranlagung (Atopie) in ihren Genen.

2. Auslöser

Wenn ein Atopiker mit Pollen, Milben, Umweltschadstoffen oder anderen Auslösern in Kontakt kommt, können atopische Krankheiten ausbrechen.

3. Allergien

Je nach Auslöser und Veranlagung können typische atopische Erkrankungen (Allergien) auftreten, entweder einzeln oder in Kombination. 

Vererbbares Risiko: Wieso habe ich eine Atopie?

Vererbbares Risiko: Wieso habe ich eine Atopie?

Man entwickelt sich nicht zum Atopiker, weil man einen ungesunden Lebensstil verfolgt hat oder viel Stress ausgesetzt war – man wird quasi damit „geboren“. Denn Atopie ist eine genetische Veranlagung und wird vererbt. Das heißt: Hat ein Elternteil oder beide bereits eine atopische Erkrankung (also Neurodermitis, Heuschnupfen oder allergisches Asthma) beziehungsweise eine atopische Veranlagung oder Nahrungsmittelallergie, steigt auch das Risiko des Kindes, eine dieser Krankheiten zu bekommen. Oft tritt die erste allergische Reaktion schon im Babyalter auf in Form von Lebensmittelallergien oder Neurodermitis. 

Pyramiden Grafik Risiko der Vererbung von Atopie

Warum werden aus einer Allergie mehrere?

Der atopische Marsch: Warum werden aus einer Allergie oft mehrere?

Zahlreiche Atopiker leiden nicht nur an einer einzigen atopischen Erkrankung, sondern an mehreren. Oft sind Neurodermitis oder Nahrungsmittelallergien im Babyalter der Beginn einer Allergiker-Laufbahn: In den folgenden Jahren entwickeln die Patienten häufig zusätzlich Heuschnupfen oder allergisches Asthma, also weitere atopische Erkrankungen der Atemwege. Mediziner nennen diese Entwicklung den atopischen Marsch. Der Grund: Die Allergien „marschieren“ sozusagen durch den Körper – von Haut oder Verdauungstrakt weiter zu Nase und Lunge. 
 

Der Etagenwechsel

Wenn sich aus einem Heuschnupfen allergisches Asthma entwickelt, spricht man auch von einem Etagenwechsel der Allergie – von der Nasenschleimhaut in die Schleimhaut der Bronchien.

In welcher Reihenfolge und wie stark die allergischen Erkrankungen im Verlauf des atopischen Marschs auftreten, können Ärzte nicht vorhersehen. Das Risiko für einen Etagenwechsel von Heuschnupfen zu allergischem Asthma ist für Allergiker jedoch insgesamt hoch. Deshalb sollten Betroffene frühzeitig einen Arzt aufsuchen und sich beraten lassen.

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Rat & Tat: Wie kann ich eine Allergie verhindern?

 

Wussten Sie, dass ... ?
... 23 % aller Babys und Kleinkinder in Deutschland an Neurodermitis leiden?

Forschung: Wie eine allergische Erkrankung das Risiko für weitere Allergien erhöht

  • Kinder, die unter Neurodermitis leiden, besitzen gegenüber gesunden Kindern ein knapp dreimal so hohes Risiko, allergisches Asthma zu entwickeln. 
  • Das Asthmarisiko scheint mit der Stärke der Neurodermitis zusammenzuhängen: Während Patienten mit einer milden Form der Hautkrankheit in 20 bis 30 Prozent der Fälle an Asthma erkranken, sind es bei Patienten mit schwerer Neurodermitis 60 bis 70 Prozent. 
  • Die Wahrscheinlichkeit, infolge von Neurodermitis einen Heuschnupfen zu entwickeln, liegt zwischen 45 und 75 Prozent. 
  • Kinder, die sich mit Heuschnupfen plagen, haben ein rund dreifach höheres Asthmarisiko als Kinder ohne Heuschnupfen.

Welche Rolle spielt die Hautbarriere?

Schutz vor atopischen Erkrankungen: Welche Rolle spielt die Hautbarriere?

Die genetische Veranlagung zur Atopie lässt sich nicht beeinflussen. Ob und wie stark sie sich tatsächlich in Symptomen äußert, jedoch schon. Wissenschaftler weltweit erforschen derzeit, welche Umweltreize oder körperlichen Faktoren eine atopische Erkrankung letztendlich zum Ausbruch bringen. 

Ein erstes Ergebnis: Der Zustand der Hautbarriere spielt eine entscheidende Rolle in der Entwicklung des atopischen Marschs. Wird die Haut ihrer Aufgabe als Schutzmauer gegen Umwelteinflüsse nicht gerecht, kann dies der Startpunkt für eine Allergiker-Laufbahn sein. So ist zum Beispiel die Hautbarriere vieler Neurodermitis-Patienten nachweislich nicht intakt.  

Foto eines eingecremten Babys

Studien belegen: Je mehr die Schutzfunktion der Haut schon im Säuglingsalter gestört ist, desto größer ist auch das Risiko für das Kind, später Heuschnupfen und Asthma zu entwickeln.  Dieser Zusammenhang zwischen Haut und atopischen Erkrankungen ist mittlerweile ein sehr wichtiger Ansatzpunkt in der Allergieprävention. Deshalb untersuchen Forscher intensiv, was die Hautbarrierefunktion schwächt und wie Patienten ihren Hautschutz stärken können. 

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Defekt: Atopische Haut

Rat & Tat: Wie kann ich eine Allergie verhindern?

Wie kann ich eine Allergie verhindern?

Den atopischen Marsch stoppen: Wie kann ich weitere Allergien verhindern?

Wissenschaftler, Allergologen und nicht zuletzt Patienten beschäftigt die spannende Frage, ob und wie man den atopischen Marsch frühzeitig stoppen kann. Mit anderen Worten: Lässt sich das Risiko verringern, dass Neurodermitispatienten auch Heuschnupfen und Asthma entwickeln? Und wenn ja – was genau können Patienten und Ärzte dafür tun? Wir haben die wichtigsten medizinischen Ratschläge zusammengefasst. 

Die Allergikerlaufbahn verhindern

1. So früh wie möglich zum Arzt

Wer sich nicht sicher ist, ob die eigenen Hautprobleme oder Atemwegsbeschwerden allergisch sind, sollte einen Allergologen aufsuchen, sich beraten und ggf. testen lassen. Dies ist auch ein wichtiger Rat für Patienten, die bereits wissen, dass sie eine Allergie wie z.B. Heuschnupfen haben. Denn die reine Symptombehandlung mit Tabletten oder Nasensprays bekämpft nicht das Risiko, zusätzlich an Asthma oder anderen Allergien zu erkranken.

 2. So früh wie möglich medizinische Hautpflege

Wer an Neurodermitis leidet, kann selbst etwas tun, um die eigene Hautbarriere zu stärken. Eine regelmäßige Basispflege atopischer Haut mit medizinischen Pflegeprodukten reduziert nachweislich das Risiko von Neurodermitisschüben und unterstützt die Linderung der Symptome. Die Anwendung einer Basispflege wird für Babys, Kinder und Erwachsene empfohlen. Wichtig: so früh wie möglich damit beginnen.

3. So früh wie möglich Hyposensibilisierung

Wer bereits an Heuschnupfen leidet, sollte sich zum Thema Immuntherapie, der Hyposensibilisierung, beraten lassen. Die Hyposensibilisierung ist die einzige Allergietherapie, die an der Ursache ansetzt. Antihistaminika mindern zwar die akuten Symptome des Heuschnupfens, behandeln aber nicht seine Ursache. Er wird somit in der nächsten Pollenzeit wieder auftreten. Eine Hyposensibilisierung birgt zum einen die Chance, den Heuschnupfen langfristig loszuwerden. Zum anderen lässt sich mit dieser Therapie das Risiko für einen Etagenwechsel hin zum Asthma mindern.