Spezifische Immuntherapie

Die Ursache anpacken: Die spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung)

Viele Allergiker haben die Begriffe spezifische Immuntherapie und Hyposensibilisierung schon mal gehört, wissen aber nicht, was genau sich dahinter verbirgt. Wir erklären, wie die spezifische Immuntherapie die eigentliche Ursache einer Allergie bekämpft und sie damit langfristig heilen kann.

Spezifische Immuntherapie (SIT): Was ist das?

Gewöhn dich dran! Diese Ansage soll eine spezifische Immuntherapie dem Körper eines Allergiepatienten machen. Denn sein Immunsystem reagiert bei einer Allergie auf einen eigentlich harmlosen Stoff mit übertriebener Abwehr. Mit Hilfe der Immuntherapie soll es lernen, mit dem Stoff wieder normal umzugehen. Die medizinische Taktik dafür: Dem Patienten wird regelmäßig der Auslöser seiner Allergie verabreicht, per Spritze, Tropfen oder Tabletten. Anfangs nur ganz wenig, dann Schritt für Schritt immer ein bisschen mehr. So soll sich das Immunsystem langsam an den Stoff gewöhnen und ihn schließlich als ganz normal hinnehmen.

Parallel nehmen die allergischen Beschwerden kontinuierlich ab. Im Idealfall reagiert ein Patient nach Ende der Behandlung auf Pollen, Hausstaubmilben oder andere Allergene genauso unempfindlich wie ein Nichtallergiker.

Die spezifische Immuntherapie (kurz SIT) nennen Mediziner auch Hyposensibilisierung oder Desensibilisierung. Unter Patienten gilt sie umgangssprachlich auch als „Allergieimpfung“. Diese Bezeichnung ist aber medizinisch nicht korrekt, da es sich nicht um eine Impfung handelt.

Wichtig zu wissen:

Eine spezifische Immuntherapie erfordert die langfristige Mitarbeit, Motivation und Geduld des Patienten. Die Behandlung sollte sich über einen Zeitraum von mindestens drei Jahren erstrecken.

Lohn für den Aufwand: Was sind die Vorteile?

1.

Die spezifische Immuntherapie (SIT) ist die einzige Behandlungsform, die nicht nur die Symptome bekämpft, sondern auch die Ursache einer Allergie angeht.

2.

Sie ist die einzige Möglichkeit, eine Allergie dauerhaft zu heilen oder zumindest die Beschwerden langfristig deutlich zu lindern.

3.

Patienten brauchen weniger Medikamente gegen akute Symptome, weil die allergischen Reaktionen im Laufe der Behandlung immer schwächer werden.

4.

Eine rechtzeitige spezifische Immuntherapie ist die einzige Möglichkeit, einem Etagenwechsel vorzubeugen: Sie kann das Risiko vermindern, dass sich Heuschnupfen zu allergischem Asthma entwickelt. Das gilt vor allem für Kinder.

Indikation: Kommt eine spezifische Immuntherapie für mich in Frage?

Allergien auf folgende Auslöser können Ärzte mit einer SIT behandeln: Baum-, Gräser- und Kräuterpollen, Milben, Insekten, Tiere und Schimmelpilze. Voraussetzung ist, dass das Allergen  zuvor ganz konkret diagnostiziert wurde. Die Therapie ist für Kinder ab dem 6. Lebensjahr möglich. In jedem Fall müssen sich Patienten oder Eltern vor einer SIT detailliert beraten lassen, da die Behandlung bei einigen Vorerkrankungen oder Medikamenteneinnahmen weniger wirksam oder nicht möglich ist.

Für die Behandlung einer Nahrungsmittelallergie steht derzeit keine spezifische Immuntherapie zur Verfügung. Daran wird aber intensiv geforscht. Reagieren Pollenallergiker aufgrund einer Kreuzallergie auch auf Lebensmittel, kann eine SIT für Pollen auch diese Begleitsymptome lindern.

Was unterscheidet SCIT und SLIT?

Spritzen versus Tabletten oder Tropfen: Darin liegt der Unterschied. Bei der subkutanen Immuntherapie (kurz SCIT) werden die Allergene unter die Hautoberfläche gespritzt  –  genau das bedeutet das Wort „subkutan“. Zunächst bekommt der Patient meist wöchentlich eine Dosis in den Oberarm, später nur noch alle vier bis acht Wochen.

Bei der sublingualen Immuntherapie (SLIT) wird eine allergenhaltige Lösung unter die Zunge getropft – also „sublingual“ – und muss dort bis zu zwei Minuten einwirken. Alternativ gibt es auch Tabletten, die ebenfalls unter die Zunge gelegt werden, damit sie sich dort auflösen. Das ist notwendig, da das Allergen über die Mundschleimhaut aufgenommen werden muss. Für die SLIT muss der Betroffene täglich und konsequent selbst die Verantwortung übernehmen. Im Gegenzug ist er nicht auf Arzttermine angewiesen, sondern kann die Substanzen zu Hause einnehmen.

Fachwissen Forschung: Warum beschleunigen Allergoide die Immuntherapie?

Die Grundstoffe für die spezifische Immuntherapie sind natürliche Allergene wie die von Pollen- oder Milbenarten. Sie werden extra für diesen Gebrauch gezüchtet. Allergieforscher arbeiten stetig daran, diese Grundstoffe und damit die Immuntherapie weiter zu verbessern. Sogenannte Allergoide sind Allergene, deren chemische Struktur im Labor leicht verändert wurde. Das macht sie besser verträglich als die natürliche Variante: Mögliche Nebenwirkungen der spezifischen Immuntherapie fallen schwächer aus. Deshalb kann der Arzt mit Allergoiden höhere Dosierungen anwenden und diese schneller steigern. Der Effekt: Die Allergiesymptome gehen zügiger zurück und der Patient braucht weniger Spritzen und Arzttermine.