Neurodermitis

Neurodermitis: Die aufgewühlte Haut

Bei Menschen mit Neurodermitis gerät die Haut aus dem Gleichgewicht. Sie ist trocken, gerötet, entzündet und kann sehr stark jucken. Oft ist eine Neurodermitis für Kinder und Eltern psychisch sehr belastend, weil teilweise Schuppen, Kratzspuren und offene Stellen sichtbar sind. Sie ist die häufigste chronische Erkrankung bei Kindern. Die gute Nachricht: Neurodermitis ist nicht ansteckend. Welche Ursachen sie hat, wie Ärzte sie behandeln und wie Sie selbst Ihrer Haut Gutes tun können: Hier erfahren Sie alles über Neurodermitis.

„Wenn Leonie gut eingecremt ist, darf sie nach Herzenslust planschen.“

Foto Neurodermitis, Mutter spielt mit Kind im Planschbecken auf einer sonnigen Wiese

„Ausgelassen im Wasser planschen – das ist eine von Leonies Lieblingsbeschäftigungen. Leider kann meine Tochter das nicht immer unbeschwert tun. Seit sie neun Monate alt ist, hat sie Neurodermitisschübe. Um ihre Haut zu schützen, lasse ich Leonie nur ins Wasser, wenn ich sie vorher und nachher mit einer medizinischen Salbe eincreme. Und bei einem akuten Schub darf sie nicht zu lange drinbleiben, sonst platzen die gereizten Hautstellen auf. Ich habe selbst Neurodermitis und hoffe, dass die Hauterkrankung meiner Tochter nicht schlimmer wird – und vor allem, dass sie nicht noch weitere Allergien entwickelt. Deshalb schmiere ich Leonie morgens und abends mit einer pflegenden Creme ein. Für sie ist das schon ein ganz normales Ritual wie Zähneputzen und die Gutenachtgeschichte. Und wenn ich es mal vergesse, kommt sie mit der Tube angelaufen: ‚Mama, cremen!‘“

Nane, 28 Jahre, und Leonie, 2 Jahre, leiden beide an Neurodermitis

Die Hautbarriere spielt bei Neurodermitis und der Entstehung von Allergien eine entscheidende Rolle. 
Wird die Haut ihrer Aufgabe als natürliche Schutzmauer gegen Umwelteinflüsse nicht mehr gerecht, nennt man diesen Zustand auch atopische Haut. Sie kann der Startpunkt einer Allergikerlaufbahn sein. Die Therapie der gestörten Hautbarriere gewinnt in der Allergieprävention an Bedeutung, da geschädigte Haut durchlässiger für Allergene ist. 
Der Pädiater Dr. Hans-Jörg Köhler hat die Erfahrung gemacht, dass man die Risikofaktoren bei Allergikern möglichst früh ausschalten muss, um den Verlauf dieses sogenannten atopischen Marschs zu stoppen. Dr. Köhler empfiehlt Eltern von Babys mit Neurodermitis oder der genetischen Veranlagung dazu eine konsequente Basispflege der Haut, um die gestörte Hautbarriere zu stärken.

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WAS IST NEURODERMITIS ÜBERHAUPT UND WAS LÖST SIE AUS?

Aufstand der Haut: Was ist Neurodermitis überhaupt und was löst sie aus?

Bei Menschen mit Neurodermitis rebelliert die Haut: Rötungen, Trockenheit und vor allem quälender Juckreiz sind typisch für die entzündliche Hautkrankheit, die oft in Schüben verläuft. Auf akute Phasen mit sehr starken und unangenehmen Symptomen (während der Schübe) folgen symptomfreie Phasen (zwischen den Schüben). 

Die meisten Kinder haben eine leichte Form der Neurodermitis mit geringen Symptomen. Nur etwa fünf bis zehn Prozent leiden unter einer sehr starken Ausprägung. Im Jugend- und Erwachsenenalter sind dann viele ohne Beschwerden. Nur in wenigen Fällen ist ein chronischer Verlauf an trockenen Hautstellen erkennbar. 

Neurodermitis heißt auch atopisches Ekzem oder atopische Dermatitis. 

 

Wussten Sie, dass ... ?
… 23 % aller Babys und Kinder bis drei Jahre unter Neurodermitis leiden und sie damit die am stärksten betroffene Altersgruppe darstellen? Im Schulalter reduziert sich der Anteil auf 8 %. Bei zwei von drei Kindern geht die Erkrankung zurück. Die Chancen stehen also gut, dass sich die Ekzeme mit zunehmenden Lebensjahren entscheidend verbessern oder sogar ganz verschwinden. 

Atopischer Marsch: Neurodermitis ist oft der Ausgangspunkt

Wer an Neurodermitis erkrankt, hat immer eine Atopie. Das heißt: Betroffene besitzen von Geburt an die Neigung, eine oder mehrere Allergien zu entwickeln. Die Neurodermitis steht oft am Anfang einer Allergikerlaufbahn (atopischer Marsch). Das bedeutet, dass sich in den folgenden Jahren andere atopische Erkrankungen wie Nahrungsmittelallergien, Heuschnupfen und allergisches Asthma entwickeln können.

Die Hautbarriere (und damit die Schutzfunktion der Haut) ist bei Neurodermitikern gestört. Das macht sie durchlässiger für Allergene und erhöht das Risiko des atopischen Marschs. Deshalb raten Ärzte dazu, die gestörte Hautbarriere bei Neurodermitis möglichst frühzeitig und ausreichend zu behandeln. So besteht die Chance, dass sich der atopische Marsch durch die Organe (Nase und Nebenhöhlen bei Heuschnupfen, Lunge bei allergischem Asthma und Darm bei Nahrungsmittelallergien) verhindern lässt.

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Wie viele Menschen haben Neurodermitis und in welchem Alter?

Die Neurodermitis zeigt sich meist im frühesten Kindesalter. Sie zählt zu den häufigsten Erkrankungen unter Babys. Bei etwa der Hälfte der Patienten macht sie sich in den ersten sechs Lebensmonaten bemerkbar.

der Kinder in Deutschland erkranken an Neurodermitis – Jungen und Mädchen gleichermaßen.

Unter Erwachsenen ist Neurodermitis weit weniger verbreitet; nur noch ein bis drei Prozent leiden darunter. Trotzdem ist die atopische Dermatitis keine Kinderkrankheit. Die Symptome können zwar komplett verschwinden, aber auch chronisch werden und bis ins Erwachsenenalter anhalten. 
Die Gefahr einer Neurodermitis bis ins Erwachsenenalter ist erhöht, wenn die Hautkrankheit

  • früh beginnt
  • im Kindesalter schwer verläuft
  • gleichzeitig mit anderen Erkrankungen aus dem atopischen Formenkreis wie Heuschnupfen oder Asthma auftritt
  • Familienangehörige betrifft und diese ebenfalls Erkrankungen des atopischen Formenkreises haben.
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Über die Haut: Welche Ursachen hat eine Neurodermitis?

Die Ursachen von Neurodermitis und der Mechanismus, wie sie entsteht, sind noch nicht exakt erforscht. Mediziner wissen aber mittlerweile, dass mehrere Faktoren zusammenspielen.

Bekannt ist, dass die Veranlagung zur atopischen Dermatitis in den Genen liegt. Kinder, deren Eltern unter Neurodermitis oder einer anderen atopischen Erkrankung leiden oder litten, besitzen ein erhöhtes Erkrankungsrisiko. 

Eine recht häufige Veränderung (Mutation) der Gene, die zu einer gestörten Hautbarriere führt, ist die Mutation im Filaggrin-Gen. Dadurch herrscht ein Mangel an Filaggrin, das eine wichtige Rolle für die Struktur und Funktion der Zellen der obersten Hautschicht und somit für eine gesunde Hautbarriere spielt. 

Oft ist auch die Zusammensetzung der Hautfette verändert, die Haut verliert Feuchtigkeit und wird trocken. Eine derart geschädigte Haut schützt weniger gut vor reizenden Substanzen, Allergenen und Keimen, die zu Entzündungen führen können. Kurz gesagt: Ist die Hautbarriere gestört, entzündet sich die Haut, wird trocken, juckt und schuppt.
 

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Atopische Haut

Was unterscheidet gesunde von atopischer Haut?
 

Hatten oder haben beide Elternteile Asthma, Heuschnupfen oder Neurodermitis, liegt das Neurodermitisrisiko beim Nachwuchs bei 40 bis 60 Prozent. Ist nur ein Elternteil betroffen, sind es 20 bis 40 Prozent. Hatte kein Elternteil eine der Erkrankungen, liegt das Neurodermitisrisiko der Kinder bei 5 bis 15 Prozent.

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Trigger-Faktoren bei Neurodermitis

Ob die Neurodermitis tatsächlich ausbricht, hängt von vielen sogenannten Trigger-Faktoren ab. Trigger ist Englisch für „Auslöser“. Diese können sein: 

  • Allergien gegen bestimmte Nahrungsmittel oder Hausstaubmilben, Pollen oder Tierhaare. Auch Kontaktallergien gegen Cremes und Salben oder Metalle (Nickel) sind mögliche Auslöser.
  • Infektionen mit Viren, Bakterien oder Pilzen, die bei einer gestörten Hautbarriere leichter in die Haut eindringen und zu Entzündungen führen
  • Mechanische Reize, die die geschädigte Haut weiter strapazieren: raue Kleidung, Chemikalien oder heißes Wasser
  • Stress und psychische Belastungen
  • Im Winter die Kälte draußen und trockene Luft in überheizten Räumen – darauf reagiert die Haut gereizt.

Der Einfluss dieser Trigger-Faktoren ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Und nicht immer ist es für den Arzt möglich, einen eindeutigen Auslöser ausfindig zu machen.

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Was sind die Symptome der Neurodermitis?

Qualvoller Juckreiz: Welches sind die Symptome bei Neurodermitis?

Neurodermitis tritt oft schon bei Babys oder Kindern auf. Aber nicht jede Hautreizung oder Rötung bedeutet sofort eine Neurodermitis! Bei Kleinkindern sollte man regelmäßig Hautveränderungen kontrollieren und beobachten, ob sich das Hautbild verschlimmert. Suchen Sie Ihren Kinderarzt auf, wenn Sie besorgt sind und die Beschwerden Ihr Kind beeinträchtigen. Die betroffenen Hautstellen hängen vom Lebensalter ab; bei Babys sind sie anders als bei Erwachsenen. Allen Altersgruppen gemeinsam ist jedoch meist der quälende Juckreiz.

Eine Hauterkrankung mit Auswirkungen

Die Neurodermitis kann weitreichende Folgen haben:

  • Der enorme Juckreiz beeinträchtigt den Alltag und die Lebensqualität erheblich. Viele Erkrankte schlafen schlecht, fühlen sich müde und abgeschlagen, können sich schlecht konzentrieren und fahren als Folge davon oft „aus der Haut“.
  • In die aufgekratzte Haut können Bakterien (insbesondere Staphylococcus aureus), Viren (beispielsweise Herpesviren) und Pilze eindringen und Entzündungen verursachen.
  • Die Psyche leidet mit, denn aufgrund ihres Hautbildes fühlen sich viele Neurodermitiserkrankte unattraktiv und glauben, andere mit ihrem Erscheinungsbild abzustoßen.
  • Neurodermitis kann, wie andere chronische Erkrankungen auch, durch Stress und Schlafstörungen das Familienleben bestimmen. Die Krankheit sollte nicht zum Mittelpunkt der Familie werden; die Belastung muss gleichmäßig von den Familienmitgliedern „abgefangen“ werden. 
Grafik oft betroffene Neurodermitis Hautstellen bei Babys

So äußert sich die Neurodermitis bei Säuglingen

Bei Babys zeigt sich die Neurodermitis oft sehr früh durch

  • heftigen Juckreiz
  • Hautrötungen auf Wangen und Kopf, häufig zusätzlich auf den Streckseiten der Arme und Beine sowie manchmal als Ekzem rund um den Mund
  • Milchschorf am Kopf in Form von gelbweißen Schuppenkrusten. Die Haut darunter ist gerötet. Wenn der Milchschorf einen Neurodermitishintergrund hat, dann tritt er bei Babys meist ab dem dritten Lebensmonat auf. 
  • das Gefühl von Trockenheit beim Streicheln der Haut
  • juckende Bläschen sowie entzündete und nässende Hautstellen, auf denen sich Krusten bilden
  • Ekzeme an den Knien.

 

Daran erkennen Sie ein atopisches Ekzem bei Kleinkindern

Bei Kleinkindern verändern die Ekzeme ihre Beschaffenheit und treten an anderen Körperstellen auf. 

Die Neurodermitis zeigt sich dann wie folgt:

  • Ekzeme in Kniekehlen, Ellbogen oder Handgelenken, Beugenekzeme genannt
  • Ekzeme auf Nacken, Gesicht, Augenlidern, Fußrücken, Händen, Oberschenkeln und Po
  • Später verdickt sich die trockene Haut (Flechtenbildung). Optisch wird das Hautbild gröber und ähnelt einer Baumrinde.
  • Wenn die Kinder das Schulalter erreichen, bessert sich die Neurodermitis oft. Später kann die Hautkrankheit aber immer wieder aufflammen.

Kratzt Ihr Kind seine Haut wegen des extremen Juckreizes auf, können Bakterien, Viren oder Pilze eindringen und Entzündungen auslösen. Mediziner nennen das Superinfektion. Eltern müssen daher versuchen, ihr Kind so gut wie möglich vom Kratzen abzuhalten (kurze Fingernägel, Baumwollhandschuhe).

Grafik oft betroffene Neurodermitis Hautstellen bei Erwachsenen

Jugendliche kommen bei Neurodermitis oft besser weg

In der Pubertät bilden sich die Beschwerden der Neurodermitis oft komplett zurück. Jugendliche erleben meist einen milden Verlauf. Sie können folgende Symptome entwickeln:

  • trockene Haut, die gerötet und entzündet ist, juckt und schuppt
  • Ekzeme auf Gesicht, Kopfhaut, Hals, Nacken, Brust, in Kniekehlen, Ellbeugen, Leisten oder auf Handrücken.

Hartnäckige Neurodermitis: Erwachsene leiden oft mehr

Im Erwachsenenalter ist die Neurodermitis meistens abgeklungen oder hat sich deutlich gebessert. Falls nicht, nimmt sie dann häufig einen schweren Verlauf. Manche Neurodermitiker entwickeln eine besondere Form mit kleinen, juckenden Knötchen am gesamten Körper, Prurigoform (lat. Prurigo = Juckreiz) genannt.

Die Neurodermitis zeigt sich vor allem in juckenden Krusten auf Händen, Füßen, Kopfhaut und im Gesicht. Prinzipiell können jedoch sämtliche Körperregionen betroffen sein. 

WIE DIAGNOSTIZIEREN ÄRZTE NEURODERMITIS?

Dauerkratzen und entzündete Haut: Wie diagnostizieren Ärzte Neurodermitis?

Ständiger Juckreiz, gerötete und entzündete Haut? Wenn sich solche Symptome bei Ihnen oder Ihrem Kind nicht verbessern, sollten Sie selbst einen Dermatologen (Hautarzt) oder mit Ihrem Kind einen Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin aufsuchen. Dahinter könnte eine Neurodermitis stecken. 

Für den Arzt ist zunächst die Krankengeschichte wichtig. Bereiten Sie sich auf folgende Fragen vor:

  • Seit wann bestehen Hautauschlag und Ekzeme?
  • An welchen Körperstellen befinden sie sich?
  • Verspüren Sie oder Ihr Kind Juckreiz und kratzen sich deshalb gehäuft? Wie oft und wo?
  • Sind die Ekzeme einmal abgeklungen und dann wiedergekehrt?
  • Haben Sie Faktoren bemerkt, die die Symptome verstärken, beispielsweise Wollkleidung, Reinigungsmittel, Stress oder bestimmte Nahrungsmittel?
  • Gibt es Erkrankungen aus dem atopischen Formenkreis in Ihrer Familie: Heuschnupfen, (allergisches) Asthma, Neurodermitis oder Nahrungsmittelallergien?
  • Sind andere Erkrankungen in Ihrer Familie bekannt?

Ihre Antworten liefern dem Arzt erste Hinweise darauf, ob es sich um eine Neurodermitis handeln könnte, woraufhin er die Haut genauer unter die Lupe nimmt. Wichtig für die Diagnose sind die Körperstellen, an denen die Ekzeme auftreten: Sie sind bei Babys, Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen unterschiedlich. Zudem sollten anschließend andere Hautkrankheiten ausgeschlossen werden.

Allergietests: Der Arzt ist gefragt

Hat der Arzt den Verdacht, dass die Neurodermitis mit einer Allergie verknüpft ist, folgen spezielle Allergietests. Bei der allergischen Form der Neurodermitis kommen Heuschnupfen, Hausstaubmilbenallergie oder eine Allergie gegen Nahrungsmittel in Betracht. 

Zum Weiterlesen:

Prick-Test & Co: Diese Allergietests nutzt der Arzt

Heuschnupfen diagnostizieren – Das macht der Arzt
 

der Kinder mit Neurodermitis bekommen bis zum sechsten Lebensjahr zusätzlich Asthma oder Heuschnupfen.

WIE LÄSST SICH NEURODERMITIS BEHANDELN?

Medikamente bis Lichttherapie: Wie lässt sich Neurodermitis behandeln?

Die Neurodermitis ist eine chronische Erkrankung, die in Schüben verläuft; Erkrankte haben oft lange Zeit mit ihr zu kämpfen. Zwar ist sie nicht heilbar, man kann aber die quälenden Symptome wie Juckreiz und Hautausschlag wirksam lindern. Die gute Nachricht: Mit zunehmendem Alter bessert sich oft das Hautbild und die Beschwerden klingen ab. 

Ärzte setzen verschiedene Behandlungsstrategien ein, von medizinischer Hautpflege bis hin zu Medikamenten. Die Behandlung wird individuell nach Schweregrad und Ausdehnung der Neurodermitis festgelegt.

Zum Weiterlesen:

Die Haut mit UV-Lichttherapien beruhigen

Atopische Haut

Wichtige Verbindung: Wie hängen atopische Haut und Allergien zusammen?

Medizinische Hautpflege bei atopischer Haut und Neurodermitis

Medizinische Hautpflege bei Neurodermitis

Medizinische Hautpflege: Ein wichtiger Baustein in der Neurodermitis-Behandlung

Die Haut von Neurodermitispatienten hat mehrere Schwachstellen, die man mit einer medizinischen Hautpflege angehen kann. Wichtig: Die Haut benötigt auch dann Pflege, wenn sie gerade nicht entzündet ist. Ärzte empfehlen daher behandlungsbegleitend immer eine sogenannte Basispflege

  • Rückfettende und feuchtigkeitsspendende Basispflege kann die defekte Schutzfunktion der Haut wiederherstellen und hält die gesunde Haut intakt. Der Effekt: Stoffe aus der Umwelt wie Bakterien, Pilze und Allergene dringen nicht so leicht in den Körper ein.
  • Da die Hautbarriere bei Neurodermitis in ihrer Struktur mehrere Schwachstellen aufweist, sollte auch die Hautpflege an mehreren Punkten ansetzen: den Hautschutz gezielt stärken, den Feuchtigkeitshaushalt ausgleichen, Juckreiz und Entzündungen lindern und Infektionen vorbeugen. Die Anwendung einer medizinischen Basispflege kann dann dazu beitragen, das Risiko für Neurodermitisschübe zu senken. 
  • Sprechen Sie Ihren Arzt frühestmöglich auf eine medizinische Basispflege an, wenn Sie oder Ihr Kind aus familiären Gründen die Veranlagung zu atopischen Erkrankungen in sich tragen.
  • Für Menschen mit Neurodermitis gibt es Reinigungsmittel, die speziell auf ihre Hautbedürfnisse zugeschnitten sind. Dazu zählen Shampoos, Waschlotionen, Duschgels oder Pflegebäder mit einem physiologischen pH-Wert. Sie sind besonders mild, enthalten keine Stoffe, die die Haut reizen oder weiter austrocknen, und haben idealerweise einen rückfettenden Effekt.
  • Zusätzlich können auch einfache Alltagstipps Beschwerden bei Neurodermitis lindern: ALLTAGSTIPPS: WAS KANN ICH SELBST BEI NEURODERMITIS TUN? 

Zum Weiterlesen

Atopische Haut

Wichtige Verbindung: Wie hängen atopische Haut und Allergien zusammen?

Hintergrund: Medizinische Leitlinie Neurodermitis

Medizinische Hautpflege ist ein wissenschaftlich anerkannter Baustein in der Behandlung und Vorbeugung von Neurodermitis und wird offiziell in der medizinischen Praxis-Leitlinie für Ärzte empfohlen: „Medizinische Basishautpflege ist für alle Stadien von Neurodermitis zu empfehlen. Auch vorsorglich, also wenn bisher nur das genetische Risiko für Neurodermitis besteht und die Haut noch keine Probleme macht."

Interessant zu wissen: Forschung

In einer Studie ließ sich bei Säuglingen mit einer genetischen Veranlagung, aber noch ohne Symptome das Neurodermitisrisiko um die Hälfte senken, wenn die Babys bis zum sechsten Lebensmonat konsequent mit einer medizinischen Hautpflege eingecremt wurden. Derzeit wird dieser Effekt in weiteren Studien über einen längeren Zeitraum hinweg untersucht.
Weitere Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass eine tägliche medizinische Hautpflege die Häufigkeit und die Stärke von Neurodermitisschüben senken kann. Der positive Nebeneffekt: Die Betroffenen müssen weniger entzündungshemmende Medikamente wie Kortisonsalben anwenden.

Hyposensibilisierung bei Neurodermitis und Allergie

Oft haben Neurodermitiker auch eine Allergie. Dann kann eine Hyposensibilisierung, auch spezifische Immuntherapie (SIT) genannt, zum Einsatz kommen. Sie bekämpft nicht nur die Allergie, sondern kann auch die Neurodermitis-Beschwerden lindern. Ob eine SIT in Frage kommt, klärt der Allergologe ab.

Zum Weiterlesen:

Die spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung)

Kinder konsequent impfen

Alle Säuglinge und Kleinkinder sollten gemäß den Empfehlungen der STIKO, der ständigen Impfkommission, geimpft werden. Besonders Windpocken können im Zusammenhang mit Neurodermitis einen schwereren Verlauf nehmen.

Die Haut mit UV-Lichttherapien beruhigen

Bessern die beschriebenen Behandlungen das Hautbild nicht ausreichend, kommen eventuell besondere Lichttherapien in Frage:

  • UV-Lichttherapie: Ärzte behandeln die Haut mit UV-Licht einer bestimmten Wellenlänge, um die Entzündungen zu bremsen. Diese Behandlung heißt auch Photo-Therapie. Hautärzte und Kliniken haben dafür spezielle Kabinen. Ganz wichtig: Sie können nicht alternativ in ein Solarium gehen.
  • Balneo-Photo-Therapie: Dabei werden spezielle Bäder (etwa solche mit hohen Salzkonzentrationen) mit UV-Licht kombiniert. 
  • UVA-1-Therapie: Sie umfasst die Bestrahlung mit dem langwelligen UVA-1-Licht, das auch in tiefer liegende Hautschichten vordringt.
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Was kann ich selbst bei Neurodermitis tun?

Alltagstipps – Was kann ich selbst bei Neurodermitis tun?

Mit einigen Tipps können Sie sich selbst oder Ihrem Kind das Leben mit Neurodermitis erleichtern. Wichtig ist, dass die Krankheit nicht das Familienleben dominiert.

Die „Schulbank drücken“: So hilft eine Neurodermitisschulung

In einer Neurodermitisschulung lernen Eltern und Kinder, mit der Hauterkrankung gut umzugehen. Ärzte, Psychologen und Ernährungsspezialisten zeigen Ihnen, wie Sie

  • die Haut richtig pflegen und die Neurodermitis optimal behandeln
  • den Kontakt mit reizenden Stoffen und eventuellen Allergieauslösern vermeiden
  • seelische Belastungen aushalten.

In der Regel übernehmen oder bezuschussen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für eine Neurodermitisschulung.

Kleine Tipps mit großer Wirkung

  • Kleidung: Neurodermitiker sollten nur weiche Stoffe tragen, die nicht kratzen und die Haut nicht reizen. Gut sind Baumwolle oder Leinen. Die Kleidung sollte nicht eng sitzen. Neue Kleidung immer zuerst waschen und die Etiketten herausschneiden, damit sie nicht auf der Haut reiben. 
  • Waschen: Zur Verbesserung des Tragekomforts können Sie einen Weichspüler ohne Farb- und Parfümstoffe verwenden. Insgesamt sollte die Wäsche mit viel Wasser und wenig Waschmittel gewaschen werden.
  • Baden und duschen: Achten Sie darauf, dass das Wasser lauwarm ist, maximal 36 Grad. Baden Sie nicht länger als zehn Minuten. Rubbeln Sie beim Abtrocknen nicht zu stark, sondern tupfen Sie eher die Haut trocken. Duschen Sie im Sommer lieber häufig und kurz mit milden, rückfettenden Duschgels.
  • Sonnenschutz: Meiden Sie die pralle Sonne. Wählen Sie einen Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor (mindestens SPF 20), der speziell für die atopische Haut entwickelt wurde. Der beste Sonnenschutz ist übrigens Kleidung.
  • Nagelpflege: Schneiden Sie die Fingernägel kurz. So senken Sie das Verletzungsrisiko beim Kratzen.
  • Kühlende Umschläge lindern Juckreiz. 
  • Nachts: Leichte Baumwollhandschuhe sind ein guter Kratzschutz. Wählen Sie einen leichten, hochgeschlossenen Schlafanzug. Für Kinder und Jugendliche gibt es Overalls mit geschlossenen Fäust- und Füßlingen. 
  • Encasings: Bei einer Hausstaubmilbenallergie als Auslöser helfen milbendichte Bezüge für Matratze und Kissen. 
  • Schlafzimmer: Achten Sie auf eine Temperatur von maximal 20 Grad.
  • Hautpflege: Eine regelmäßige und gute Basispflege ist wichtig, damit die Haut nicht weiter austrocknet – auch dann, wenn sie gerade nicht entzündet ist. Cremen Sie Ihre Haut zweimal täglich mit dem richtigen Pflegeprodukt ein, das kann viel bewirken.
  • Ihr Haushalt sollte unbedingt rauchfrei sein.
  • Nach der Geburt eines Kindes sollten Sie sich nicht gleich einen Hund oder eine Katze anschaffen. Bereits vorhandene Tiere können natürlich in der Familie bleiben, wenn niemand eine gravierende Tierallergie hat.
  • Freude: Die Psyche spielt bei Neurodermitiserkrankungen eine große Rolle. Sorgen Sie für schöne Erlebnisse, die Sie und Ihr Kind glücklich machen. 
  • Selbsthilfegruppe besuchen: Ein Austausch kann in vielerlei Hinsicht positiv sein.

Kann ich einer Neurodermitis vorbeugen?

Neurodermitisschutz – Kann ich einer Neurodermitis vorbeugen?

Stillen senkt womöglich das Risiko, dass Ihr Baby eine Neurodermitis entwickelt. Aktuell wird empfohlen, in den ersten vier Lebensmonaten voll zu stillen und danach mit der Beikost zu beginnen. Sollte Stillen nicht möglich (oder nicht gewollt) sein, können Sie spezielle hypoallergene Säuglingsnahrung füttern.

Rauchen Sie während der Schwangerschaft und auch sonst nicht – weder aktiv noch passiv. Kinder, die in Raucherhaushalten leben, haben vermutlich ein höheres Risiko für Neurodermitis und Allergien.   

Die Ernährung in der Schwangerschaft und Stillzeit sollte ausgewogen sein. Es gibt keine Diät für Mutter und Kind, die allgemein das Verzichten auf Speisen empfiehlt, außer bei gleichzeitiger Nahrungsmittelallergie. Fisch wird in der Schwangerschaft/Stillzeit und als Beikost empfohlen.