Dr. Köhler

4 Fragen, 4 Antworten:
Nicht warten mit der Allergiebehandlung!

„Besonders Eltern müssen schnell reagieren“, betont Kinderarzt Dr. Hans-Jörg Köhler. Sobald ein Baby oder Kleinkind Symptome atopischer Erkrankungen zeigt – oft zuerst in Form von Neurodermitis –, sollten Eltern mit einem Facharzt eine Behandlungsstrategie besprechen. Sonst droht dem Kind der atopische Marsch, also eine Allergikerlaufbahn.

Herr Dr. Köhler, wie lässt sich verhindern, dass zu einer Allergie noch weitere hinzukommen?

Das Allerwichtigste ist: Je früher die Patienten in den allergischen Prozess eingreifen, desto besser! Im ersten Schritt heißt das: Überhaupt erst mal zum Arzt gehen. Wenn man sich nicht sicher ist, ob die eigenen Hautprobleme oder Beschwerden an den Atemwegen allergisch sind, bitte einen Allergologen aufsuchen, sich beraten und ggf. testen lassen.

Warum ist Haut so ein wichtiger Ansatzpunkt in der Allergieprävention?

Man kann sich die Hautbarriere vorstellen wie eine Schutzmauer: Ist sie intakt und stabil, können weniger Allergene und Umweltreize in den Körper eindringen. Hat sie – bildlich gesprochen – Schwachstellen wie Risse oder fehlende Mauersteine, haben diese Fremdstoffe leichteres Spiel, in den Körper einzumarschieren und allergische Reaktionen auszulösen. Bei Neurodermitikern ist diese Schutzfunktion nachweislich beeinträchtigt.

Was raten Sie Eltern von Kindern mit Neurodermitis?

Je stärker die Hautbarriere schon im Säuglingsalter gestört ist, desto größer ist auch das Risiko, später Heuschnupfen und Asthma zu entwickeln. Das ist wissenschaftlich belegt. Ebenso zeigen Studien, dass die Bestandteile medizinischer Hautpflege nach einigen Monaten tatsächlich barrierestärkende Effekte haben. Zusammengefasst: Ich rate allen Eltern von Kindern mit Neurodermitis, frühestmöglich mit medizinischer Hautpflege zu beginnen, um so das Risiko für weitere Allergien einzudämmen.

Warum ist eine Hyposensibilisierung so wichtig für die Asthmaprävention?

Die Hyposensibilisierung – eine spezielle Immuntherapie, die den Körper langfristig an die allergieauslösenden Substanzen gewöhnt – ist die einzige Therapieform, die Heuschnupfen in seiner Ursache behandelt – und so auch das Risiko für den Etagenwechsel hin zum Asthma mindern kann. Insgesamt heißt das: Nur wenn wir Ärzte Allergiker frühzeitig über medizinische Hautpflege und Hyposensibilisierung aufklären können, haben wir eine Chance, in den atopischen Marsch einzugreifen – bevor er weiter durch den Körper zieht.